Gesund Leben mit Funktioneller Medizin

  • petrabuchanan

Rückblick auf 2021 - Was ich über TNI gelernt habe

2021 war ein buntes Jahr - geprägt von der Pandemie, von vielen Absagen und Terminverschiebungen, aber trotz aller Schwierigkeiten haben sehr viele Familien den Weg zu mir auf sich genommen. Hierfür bin ich sehr dankbar, für das Vertrauen, welches ihr in mich habt und die vielen schönen Momente mit Euren Kindern die ich erleben durfte!


Knapp 500 Patienten haben mittlerweile insgesamt meine Praxis als Anlaufstelle genutzt, etliche nur zur online Beratung, die allermeisten waren auch vor Ort in Freiburg. Die Mehrzahl meiner Patienten sind Kinder mit Down Syndrom unter 10 Jahren, es gibt aber auch immer mehr Eltern erwachsener Menschen mit Down Syndrom, die mich um Hilfe fragen. Zusätzlich erhalte ich immer mehr Anfragen von Eltern mit Kindern anderer Chromosomenstörungen, Einzelgenmutationen, Autismus, oder auch von Frauen ohne besondere Kinder, die sich selbst etwas Gutes tun wollen. Es bleibt abwechslungsreich und bereitet mir viel Freude!



Meine wichtigsten Erkenntnisse zum Thema TNI aus den letzten 2.5 Jahren Praxis 321 möchte ich heute mit Euch teilen.


Es lohnt sich immer, mit TNI anzufangen!

Egal, ob dies in der Schwangerschaft, im ersten Lebensjahr, als Schulkind, oder im Erwachsenenalter ist - jeder Mensch mit Down Syndrom benötigt ein individuelles TNI Protokoll, um lange bei Gesundheit bleiben zu können und sein volles Potential nutzen zu können.


Eltern nutzen immer wieder die gleichen Worte, um ihre Kinder vor und nach TNI zu beschrieben.

Sätze die ich häufig vor TNI höre lauten: "Mein Kind ist zu faul um ...", "Mein Kind braucht zwischendurch Pausen, um sich auszuruhen", "Mein Kind kann sich nicht konzentrieren und ist unruhig", "Mein Kind wirkt abwesend", "Mein Kind hat folgenden Tick entwickelt und es ist schwierig, das Kind aus dieser Tätigkeit rauszuholen", und "Mein Kind hat ein sehr gutes Sprachverständnis, aber wenn es sich mitteilen möchte, kommen die Worte einfach nicht so raus, wie das Kind es möchte".


Sätze, die ich typischerweise nach dem TNI Start höre sind: "Mein Kind wacht auf", "Mein Kind hat mehr Klarheit", "Mein Kind kann sich länger konzentrieren", "Mein Kind spielt altersgerechter", "Mein Kind spricht deutlicher, mehr Wörter, und längere Sätze", "Mein Kind hat mehr Energie und Ausdauer", "Mein Kind ist deutlich weniger oft krank und wenn, dann nur einige Tage, anstelle von 1-2 Wochen", "Mein Kind kommt mehr in den Kontakt zu anderen Kindern", "Mein Kind hat einen Entwicklungsschub gemacht", "Therapeuten/Lehrer/Familienangehörige kommentieren die gute Entwicklung, obwohl wir ihnen nichts von TNI erzählt haben". Weitere Bereiche, welche sich mit TNI häufig verbessern sind Verdauung und Stuhlgang, Haare und Nägel, sowie Feinmotorik und Koordination.


Je früher mit TNI begonnen wird, umso besser!

Auch wenn man grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt mit TNI beginnen kann, so steht für mich außer Zweifel, dass der beste Zeitpunkt die Schwangerschaft ist oder das erste Lebensjahr. Je früher wir die Entwicklung mit TNI unterstützen, um so einfach ist es für die Kinder, bestimmte Meilensteine zu erreichen und damit kognitive Fortschritte zu machen.

Man könnte natürlich sagen, dass es ganz egal ist, wann das Kind denn nun krabbelt oder läuft - aber die grobmotorische Entwicklung beeinflusst eben auch maßgeblich die kognitive- durch die Entwicklung von entsprechenden Nervenbahnen. Wenn ein Kind mit 3 Jahren nicht laufen kann, ist der Alltag im Kindergarten nicht unbedingt von Teilhabe geprägt und das Kind verpasst wichtige Lernmöglichkeiten. Wenn ein Kind nicht sprechen kann oder nur sehr wenig, ist die Kommunikation mit Gleichaltrigen eingeschränkt. Wenn ein Kind zurückgezogen in seiner Welt seinen Ticks nachgeht, wird nicht altergerecht gespielt und auch hierdurch gehen wichtige Lernschritte verloren. Wenn die Koordination, Abstraktion und Feinmotorik stark eingeschränkt sind, wird es in der Schule schwierig, wenn es um Lesen, Schreiben und Rechnen geht. Alle diese Punkte führen letztlich dazu, dass es unsere Kinder so schwer haben. Unsere exklusiv denkende Gesellschaft trägt natürlich auch einen Anteil dazu bei, dass dieses Bild erhalten bleibt.

Mittlerweile beschreibe ich TNI immer als eine Möglichkeit, unseren Kindern alles etwas einfacher zu machen (Wachstum, Sprache, Motorik, Verdauung, Schlaf, etc.), damit nicht immer alles auf Sparflamme läuft.

Wir nutzen TNI nicht grundsätzlich zur Leistungssteigerung, auch wenn es etwas danach klingt. Aber dadurch, dass wir Folgeerkrankungen und kognitive Degeneration vermeiden, sind unsere Kinder in der Lage, ihr Potential voll auszuschöpfen. Sie lernen gerne und zeigen hierbei durchaus große Ausdauer und einen starken Willen - das geht aber nur mit der entsprechenden Unterstützung des Stoffwechsels und der Verhinderung von weiterem Abbau durch erhöhten oxidativen Stress.



Ohne gesunde Ernährung geht es nicht!

Neben TNI gibt es natürlich viele andere Punkte, die wir mit in den Blick nehmen. Zum einen ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung wichtig. Dies ist durchaus oft ein schwieriger Punkt, da Kinder mit Down Syndrom häufig aufgrund sensorischer Einschränkungen bestimmte Nahrungsmittel (Farben, Konsistenzen etc.) vermeiden. Zum anderen ist die Ernährung immer die Basis für die Versorgung mit Nährstoffen, sowie eine Voraussetzung für eine gesunde Darmflora. Häufige Antibiotika Gaben in den ersten Lebensjahren (diverse OPs, Infekte etc,) reduzieren die Vielfalt der Darmflora, führen zu Fehlbesiedlungen und damit zu einer nicht zu unterschätzenden Belastung des Körpers mit Toxinen. Auch Entzündungen im Darm sind sehr häufig und können das Schlaf- und Essverhalten beeinflussen sowie zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Es lohnt sich also, früh an der Ernährung zu drehen und damit die Darmflora positiv zu beeinflussen. Und wenn es nicht von heute auf morgen geht, dann eben in kleinen Schritten. Hier immer an einen Marathon denken, nicht an einen Sprint!



Der größte Fehler der Schulmedizin ist es, abzuwarten.

Eltern von Kindern mit Down Syndrom hören immer wieder von Ärzten, dass das eben so und so beim Down Syndrom sei und dass man da eben nichts machen könne. Also wird abgewartet, in der Hoffnung, dass sich das Problem irgendwann von alleine gibt. Genau diese Einstellung führt jdoch dazu, dass Kinder mit Down Syndrom immer weiter zurückfallen hinter der neurotypischen Entwicklung. Je früher wir erkennen, dass etwas verbessert werden könnte bzw. müsste, um so eher profitieren unsere Kinder auch davon. Es ist relativ egal, ob wir das Thema Schilddrüse, Schlaf, Kieferentwicklung, Wachstum oder etwas anderes betrachten - Ich arbeite daher immer ganzheitlich und präventiv und weise die Eltern früh auf mögliche wichtige Bereiche hin. Eltern sind hier immer wieder überrascht, warum sie bisher nicht von ihren Kinderärzten darauf hingewiesen wurden.


Wenn TNI nicht die gewünschten Veränderungen bringt, lohnt es sich, weiter nach Antworten zu suchen.

Es gibt einige Kinder, die mit TNI keine oder sehr wenige Fortschritte machen, ich kann diese jedoch an zwei Händen abzählen. Wenn dieser Fall eintritt, muss man nicht alles absetzen und aufgeben. Im Gegenteil - dann gibt es neben dem Down Syndrom andere Ursachen, für die mangelnde Entwicklung. Mögliche Bereiche sind das Mikrobiom im Darm (siehe oben), Belastung mit Schwermetallen oder Umwelttoxinen, sowie andere genetische Erkrankungen, die man aufgrund des Down Syndroms gar nicht in Betracht gezogen hatte. Die Funktionelle Medizin, welche ich in meiner Praxis nutze, bietet uns hier umfangreiche und optimale Möglichkeiten den Ursachen auf den Grund zu gehen und die Kinder individuell da zu unterstützen, wo es gebraucht wird.


Mein größter Fehler dieses Jahr.

Ein grundlegender Wunsch von mir ist es, möglichst vielen Menschen helfen zu wollen. Da mein Tag leider auch nur 24 Stunden hat, ist es für mich jeodch immer schwieriger geworden, diesem Anspruch gerecht zu werden. Das merkt ihr zum Beispiel daran, dass ich mittlerweile 2-4 Wochen benötige, bis ich eine Email beantworten kann. Das ist keine böse Absicht- es ist schlicht eine zu große Anzahl an täglichen Emails, als dass ich diese noch beantworten könnte.

Daher bin ich 2022 auch auf Eure Hilfe angewiesen! Nutzt die Facebook und MeWe Gruppen sowie regionale Vereine, um Euch auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Viele Fragen wurde in den Gruppen bereits mehrfach gestellt- nutzt daher auch die Suchfunktion. Meine Behandlungspläne sind mittlerweile sehr umfangreich und so aufgebaut, dass wirklich jeder schrittweise das TNI Protokoll aufbauen kann. Je weniger Emails mit Fragen mich erreichen, umso mehr kann ich mich auf meine eigentliche Arbeit konzentrieren. Daher dürfte ich längst keine neuen Patienten mehr annehmen, das möchte ich jedoch grundsätzlich vermeiden. Denn es werden jeden Tag Kinder mit Down Syndrom geboren und mittlerweile erhalte ich auch immer mehr Anfragen von Schwangeren, denen ich natürlich in einem recht kurzen Zeitfenster helfen sollte.


Meine sinnvollste Investition im Jahr 2021.

Ich habe endlich eine Bürofee, die mich derzeit einmal pro Woche unterstützt und vielseitig entlastet - hierfür bin ich mehr als dankbar! Ihr werdet mich daher in Zukunft leider nicht immer persönlich am Telefon erwischen und auch Emails erhalten, die meine Sprechstundenhilfe geschrieben hat. Ich hoffe, ihr findet sie genauso hilfreich, wie ich!


Meine Pläne für 2022.

Es gibt noch viel Arbeit zu tun und ich habe tolle Ideen und Pläne für das neue Jahr!

Zum einen plane ich Online Kurse zu verschiedenen Themen (auf Deutsch und Englisch), welche ich hoffentlich in den nächsten Monaten fertigstellen kann. Die Kurse können von Euch zu jedem Zeitpunkt als vielfältige Informationsquelle genutzt werden. Zusätzlich werde ich weiterhin ca. ein Mal pro Monat Live Webinare anbieten, wo ihr mir alle Eure Fragen persönlich stellen könnt.

Zum anderen möchte ich endlich mein Buch zum Thema Down Syndrom und TNI schreiben und Euch damit eine weitere Möglichkeit geben, Euer Wissen zu erweitern und mit Euren Ärzten in den Dialog zu gehen.

Zuletzt wird es demnächst eine Online Umfrage zum Thema TNI geben - auch hier bin ich für Eure Hilfe und Rückmeldungen dankbar!


Ich wünsche allen Familien schöne Feiertage und einen guten Start in das neue Jahr - möges es gefüllt sein mit Freude, Gesundheit und schönen Erfahrungen.



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